Dieser Beitrag ist Teil meiner kleinen Serie zum Thema Buchmarketing. Ausdrücklich aus Sicht einer beinahe 65-Jährigen mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Buchwelt. Dieser Beitrag hat also auch einige historische Einsprengsel … Halte ich darum für wichtig, weil Buchmarketing ja per se nichts ist, was für sich selbst existiert. Buchmarketing muss immer auf (Konkurrenz-)Produkte, Märkte, Trends und leider auch Moden reagieren. Muss es und tut es auch. Das sollten wir uns als Erstes vor Augen halten – und bitte nicht vergessen.

Was mal selbstverständlich war …

Buchmarketing war lange Zeit direkt an Verlage gekoppelt. Autorinnen und Autoren hatten damit ein klares Raster und einige Möglichkeiten, denen sie folgen konnten, wenn sie ihr eigenes Buch verkaufen wollten: Ankündigung, Lesung, Interview in Regionalzeitung oder Lokalradio …. Lange Zeit war es sogar so, dass Autorinnen nur das machen mussten und durften, was Verlage für sie arrangiert hatten. Das folgte bestimmten Mustern: Verlagsvorschau, Anzeige, Pressemitteilung, Lesereise – im Idealfall. Seit Jahren und Jahrzehnten bestehende Kooperationen förderten das – gut geölte Instrumente, die fast als selbstverständlich galten.

… ist nicht mehr selbstverständlich: Buchmarketing aus Autorensicht

Seit es Verlagen wirtschaftlich immer schlechter geht, wurden die Dienstleistungen, die Verlage für Autorinnen bereitstellen konnten, immer kleiner. Immer dringender wurde es, dass Autoren selbst bereit sind, sich um ihr Buchmarketing zu kümmern. Heute ist es schon so, dass kein Exposé mehr ohne die Nennung einer möglichst großen Fanbase Erfolg hat. Mit anderen Worten: Autorinnen und Autoren bringen die Grundlage für ihr Buchmarketing – nämlich den möglichst lebendigen Kontakt zu einer möglichst großen Zahl von Menschen aus der Zielgruppe ihres Buchthemas – schon mit. Oder das Manuskript wird abgelehnt. Das ist der entscheidende Unterschied zu den Jahrzehnten davor: Es ist völlig klar, dass Autorinnen und Autoren sich heute zum allergrößten Teil selbst um ihr Buchmarketing kümmern müssen.

Text: Buchmarketing aus Autorensicht. Bild: Fernglas

So glaube ich zum Beispiel, dass der Erfolg eines Sebastian Fitzek vor allem darauf beruht, dass er es geschafft hat, unglaublich nahbar zu sein. Er ist als Person präsent – in Newslettern, SoMe, Nachrichten und Talkshows, Interviews aller Art. Er ist ein guter Storyteller. Nicht nur für seine Bücher, sondern mindestens so stark für sein eigenes Leben als Autor. Das liegt nicht jedem, das möchte nicht jede. Und doch ist es sicher eins der größten Erfolgsrezepte für Buchmarketing heute.

Wie viel Marketing schafft ein Autor – aus eigener Kraft?

Noch mal zurück zu den Verlagen: Wer heute als Erstautorin in einem Verlag unterkommt, wird feststellen, dass Buchmarketing aus Verlagssicht oft nur darin besteht, vier Zeilen in der Ankündigung von Neuerscheinungen für sein Buch zu finden. Das war’s. Lesungen organisieren mehr und mehr Literaturagenturen – wenn überhaupt jemand. Bei Verlagen läuft das in der Regel nur, wenn es sich um große Konzerne handelt, die wiederum größeren Buchhandelsketten angeschlossen sind. Dort wird dann gelesen. Ähnlich läuft es in Buchhandlungen: Die riesigen Büchertische, über die man im Eingangsbereich fast stolpert, sind in aller Regel mit Neuerscheinungen von Verlagen bestückt, mit denen die Buchhandelskette eine Kooperation hat oder denen sie als Geschäftspartner angeschlossen sind. Mit anderen Worten: Dies sind Dinge, in die ein Autor niemals aus eigener Kraft kommen wird. Da kriegt keine Autorin ihren Fuß dazwischen, sprich: ihr Buch.

Nicht auf den Büchertisch im Eingang, nicht ins Schaufenster, in die Auslage. Wenn das mal funktionieren sollte, allenfalls in kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen. Und auch das ist schwierig. Am ehesten geht es noch über den regionalen Bezug: „Hallo lieber Buchhändler, ich bin eine Autorin aus der Region.“ Manche lassen sich darauf ein, Bücher ins eigene Sortiment zu nehmen und/oder auch Lesungen anzubieten. Das ist eigentlich die einzige Chance für Autorinnen, Buchmarketing über regionale Buchhandlungen zu lancieren. Dann lassen sich natürlich noch Anzeigen schalten ohne Ende. Online, versteht sich, Print ist kaum bezahlbar – es sei denn, man heißt Dirk Rossmann.

Es wird nicht leichter …

Buchmarketing für Autorinnen und Autoren wird also immer schwieriger. Die einzig wirklich offenen Märkte und Kanäle sind online zu finden. Wer bei booktok vorkommt, hat eine Chance – bei vorwiegend jungem Publikum. Wer es zu einer erfolgreichen Instagram-Kampagne schaffen will, braucht erst einmal sehr viel Geduld, Zeit und Arbeit.  Und wer bei Amazon werben möchte, muss Geld mitbringen. Außerdem ist das Anzeigen-Marketing dort wie bei Google und woanders jeweils eine Wissenschaft für sich. Die nicht alle Neuautor:innen auf Anhieb beherrschen.

Was also bleibt? Ich glaube, dass hier Kreativität und Eigeninitiative am besten helfen können. Denn gerade Autorinnen, die neu starten, kommen kaum gegen die großen Verbände, Verlags- und Buchhandelskonzerne an. Werden eine Weile brauchen, bis sie die Amazon-Mechanismen gelernt haben. Und selbst Lesungen lassen sich allein nur sehr schwer realisieren. Es sieht wirklich nicht gut aus für Erstautorinnen, die allein mit Buchmarketing starten wollen.

Kaum noch Unterschiede zwischen Selfpublishern und Verlagsautorinnen

Und fatalerweise sind inzwischen Selfpublisher und Verlagsautorinnen beinah in der gleichen Situation:  Beide müssen ihr Buchmarketing mehr oder weniger selbst organisieren. Da muss sich jeder und jede fragen: Was passt zu mir? Was zu meinem Buchthema? Welche Chancen und Möglichkeiten gibt es außerhalb der großen Konzernwege?

Genau um solche Fragen zu beantworten, habe ich meinen Selbstlernkurs „Jenseits von Amazon“ konzipiert. Amazon steht dabei quasi stellvertretend für die Marktmächte aus Verlags- und Buchhandelskonzernen. Denn wie gesagt: Ich fürchte, dort kriegen Selfpublisher und (Erst-)Autorinnen sehr schwer auch nur eine kleine Zehe in die Eingangstür …

Aus- und Rundumblick

Dieser Beitrag ist Teil meiner Serie „Buchmarketing historisch“.

Und ich schreibe ihn unter anderem deshalb, weil ich jahrzehntelange Erfahrung im Buchmarkt mit all seinen Erscheinungsformen habe. Seit ich als Buchhebamme Menschen dabei unterstütze, ihr eigenes Buch – vorwiegend als Selfpublisher – zu publizieren, fiel mir auf, wie wichtig Individualität auch in Sachen Buchmarketing ist. Und als bekennend eigensinniger Mensch soll diese Erkenntnis unbedingt auch in meine Arbeit einfließen. Darum arbeite ich derzeit mit Hochdruck an meinem ersten Selbstlernkurs: Buchmarketing jenseits von amazon wird er heißen.

Mehr darüber demnächst hier, in diesem Theater …

Text und Bild: Maria Al-Mana, die Buchhebamme

 

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