Viele Menschen sagen ja, das Buchcover gäbe den Ausschlag für den Kauf oder Nicht-Kauf eines Buchs. Gut möglich, zumindest bei stark visuell orientierten Menschen. Aber ich glaube, dass ein „echter Bücherwurm“ eher textorientiert ist. Und würde darum unbedingt dazu raten, besonders viel Hirnschmalz in die Wahl des richtigen Buchtitels zu stecken.

Es gibt zahllose Buchtitel, die legendär geworden sind – und dann ist kaum noch zu unterscheiden, ob der Sprung in die Bestsellerliste nur aufgrund des Titels zustande kam, oder ob nicht vielleicht doch noch andere Faktoren dabei im Spiel waren …

Beispiele gefällig? „Götter, Gräber und Gelehrte“ – ein „Roman der Archäologie“, 1949 erschienen und seitdem unzählige Male imitiert … Mäuse, Milchschälchen und Miau. Oder so.

Ähnlich bei „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten“ von 1974. Was seitdem alles mit „Zen und …“ kombiniert wurde!  „Zen und die Kunst, die Welt zu retten“ ist ja noch harmlos. Aber „Zen und die Kunst, den Leuten nicht auf die Schnauze zu hauen“ – naja.

Sprechblase der Buchhebamme: Buchtitel gesucht? 11 gute Tipps

Fakt ist. Wenn einmal ein richtig guter Titel gefunden ist, hat das Buch beste Chancen, nicht nur zum Best- sondern sogar zum Longseller zu werden. Kurz: Es lohnt sich mit Sicherheit, sich Zeit für die Titelwahl zu nehmen! Darum hier meine 11 Tipps:

1. Passen Titel, Inhalt und Autor:in zusammen?

Buchtitel kommen gern mit einem Augenzwinkern daher … „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ ist eindeutig eine Art Hilferuf – der aber sofort auch augenzwinkernd verstanden werden kann (im Zweifelsfall: auf’s Cover gucken!) Auch dieses Buch wurde zum Bestseller – sicher nicht zuletzt wegen seines Titels. Doch mindestens so wichtig: Inhalt, Buchthema und Autor passen perfekt zum Titel. Und genau darauf kommt es an.

2. Klingt der Titel gut? Ist er „wie Musik“?

Mal anders rum: Zungenbrecher sind schwer verkäuflich. Schwer auszusprechen, schwer zu merken. Für Nicht-Bayern könnten etwa „Fixhalleluja & Sacklzement“ – ein Altmühltal Krimi von Philipp Nadler – schwierig werden, selbst „Apfelstrudl-Alibi“ und „Guglhupfgeschwader“ – beides aus der deutschlandweit beliebten Eberhofer-Krimireihe von Rita Falk – wird nicht allen Menschen leicht über die Zunge gehen …. Trotzdem feiert die Eberhofer-Reihe große Erfolge. Was aber sicher vor allem am Glücksfall der zahlreichen Verfilmungen liegt. Wenn etwas weniger gut funktioniert, liegst es wirklich oft an der Sprache … Denglisch gerappt wie der Buchtitel „Gangsta-Oma“ kann ebenso schwierig werden wie das „Magnifica humanitas“ (über Papst Leo XIV.) –  selbst für Papst-Anhänger und Lateinkundige

Lustigerweise muss die schwierige Merkbarkeit aber noch nicht mal was mit der Titel-Länge zu tun haben … Spätestens seit „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ sind auch sehr lange Buchtitel (wieder) gern im Handel. Lässt sich gut aussprechen, gut merken, denn da steckt ja schon eine halbe Geschichte drin.

3. Lässt der Titel sich leicht merken?

Hierbei helfen sicher auch Alliteration und Co., also etwa die Götter, Gräber und Gelehrten von oben. Lautmalerei kann ebenfalls eine gute Lösung sein … etwa: „Darm mit Charme“ – überzeugt vor allem bei einer derart jungen Autorin, wie es Giulia Enders damals war.

Vorsicht aber bitte bei allzu einfachen Titeln! „Ostfriesenkiller“ hieß der erste Krimi von Klaus-Peter Wolf. Seitdem sind mindestens 18 weitere Krimis erschienen, die alle mit „Ostfriesen“ anfangen – auf die Dauer lässt sich das kaum noch merken. Einwort-Krimi-Titel werden derzeit fast inflationär verwendet und sind genau darum inzwischen ebenfalls leicht zu verwechseln. Ich habe schon Menschen erlebt, die beim Buchkauf ihre Notizen konsultieren mussten, um festzustellen, ob sie diesen oder jenen Buchtitel schon gelesen haben …

4. Positioniert der Autor sich mit dem Titel als das, was er ist?

Es könnte witzig, informativ, geheimnisvoll oder betont seriös sein – egal! Wichtig ist: Wie sieht die Autorin sich selbst?  Das wird vor allem bei Sachbüchern zu einer wichtigen Frage. Erich von Däniken etwa wurde unter anderem mit „Erinnerungen an die Zukunft“ bekannt. Passt. Das Kontroverse klingt schon an, ein wenig provokant ist es auch. Und vor allem horcht man ob des Widerspruchs sofort auf.

Anderes Beispiel: „Was bleibt mir übrig“; lautete der Titel von Dieter Hildebrandts Erinnerungen an 30 Jahre Kabarett: doppelgründig, doppelbödig – passt perfekt, zum Mann wie seiner Arbeit.

5. Wie anziehend, spannend/spannungsreich ist der Titel?

Völlig klar und doch sehr spannungsreich war beispielsweise Ute Erhards Bestseller „Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin“. Oder „Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen“ Siba Shakib. Beide Bücher haben es wahrlich in sich und erzählen schon im Titel eine Mini-Geschichte.

6. Macht er neugierig, fordert er zu etwas auf?

Ein Paradebeispiel für eine Aufforderung war der Erfolgstitel „Sorge dich nicht, lebe!“ von Dale Carnegie. Bis heute wimmelt der Sachbuchmarkt geradezu von solchen Titeln mit Aufforderung. Wer da nicht untergehen will, sollte sehr, sehr vorsichtig sein – und lieber zu einer Portion Selbstironie greifen, statt noch einen Titel mit „!“ am Ende zu publizieren.

Definitiv neugierig machte: „Warum Männer lügen und Frauen immer Schuhe kaufen“ – der fand prompt eine ganze Riege ähnlicher Nachfolgetitel.

Ebenfalls neugierig machte „Das geheime Leben der Bäume“ – eben nichts Fiktionales, sondern ein waschechtes Sachbuch des Försters Peter Wohlleben, dessen Autorenkarriere damit ihren Anfang nahm.

7. Was verspricht der Titel? Können Buch und Autor dieses Versprechen halten?

Achtung, das ist ein weites – und nicht ganz ungefährliches – Feld! Denn vor allem Sachbücher versprechen oft sehr viel. Ob sie es dann halten können oder nicht, hängt natürlich stark von den Lesenden ab. Darum kann ich hier auch keine Beispiele liefern – und alle Autorinnen und Autoren sollten bitte selbst immer wieder aufs Neue prüfen, ob das im Titel Versprochene auch wirklich gehalten wird. Wo das nicht der Fall ist, merken sich Lesende am Ende weniger den Titel, wohl aber den Namen des Autors – nicht selten mit dem festen Vorsatz, von DIESEM Menschen nichts mehr zu lesen.

8. Enthält der Titel die wichtigsten Informationen, ist also auch SEO-tauglich?

Mit SEO-tauglich ist hier das alte google-Prinzip gemeint, dass Menschen, die Infos zu einem bestimmten Thema suchen, möglichst schnell fündig werden sollten. Das ist einfacher bei Themen, die eher Nischen-Charakter haben. Bei Themengebieten, für die sich (fast) alle Menschen interessieren, wird das schon schwieriger. Da ist wohl die beste Lösung: Im Haupttitel etwas wählen, das sofort aufhorchen lässt. Und im Untertitel die – oft eher langweiligen – Sach-/Suchbegriffe ergänzen.

Dieses Prinzip stammt ursprünglich aus dem Sachbuchbereich, ich habe es aber auch schon in der Belletristik gesehen. Macht – bei unserem Informationsoverkill – durchaus Sinn.

Ein gutes Beispiel ist das – prompt zum geflügelten Begriff gewordene – „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling. Untertitel: „Meine Reise auf dem Jakobsweg“.

9. Bei Sachbüchern: Ist der Titel klar? Können Buch und Autor bei Problemen helfen oder die Neugier des Lesers stillen?

Wer Bruce Springsteen kennt, weiß, dass „Born to run“ der Titel eines seiner Alben war. Wer den Sänger aber nicht kennt, könnte den gleichnamigen Buchtitel leicht für etwas halten, das sich mit dem Thema Laufen beschäftigt. Wäre Springsteen nicht so bekannt, könnte man hier glatt sagen: Thema verfehlt, denn dieses Buch ist seine Autobiografie. Dieses Prinzip gilt nicht nur für „Promis“: Wer einen Buchtitel mit einer Art Insiderwissen auflädt, wird in aller Regel scheitern.

Ganz anderes Beispiel: „Im Grunde gut“. Der Historiker Rutger Bregman setzt sich in diesem Buch „mit dem Wesen des Menschen auseinander. Anders als in der westlichen Denktradition angenommen ist der Mensch nicht böse, sondern, so Bregman, im Gegenteil: von Grund auf gut“, so die Verlagsankündigung. Spannend sind sowohl Titel wie Thema – finde ich jedenfalls. Und meiner Wahrnehmung nach gelang es Bregman durchaus, einen großen Teil der Neugierde bei Fragen rund um das Thema zu stillen. Diese „Bewertung“ ist aber sicher .- wie immer – völlig subjektiv. Darum finde ich es jedoch extrem gut, dass der Titel so einprägsam kurz ist – damit können sich alle Lesenden selbst ein Bild machen. Und das ist besonders bei einem so komplexen Thema meiner Ansicht nach der beste Weg.

10. Passen die wichtigsten Stichworte des Titels in die Systematik von Buchhändlern und/oder amazon und Co.?

Dies ist vor allem die Frage nach dem gewählten Buchgenre – bitte erst einmal damit vertraut machen, denn das ist ein Thema, das sehr unterschiedliche Systematiken, Fragestellungen und Kategorien kennt. Steht das Genre dann fest, drängen sich oft fast von allein Begriffe auf, die im Buchtitel vorkommen sollten – oder dort vermutlich gar nichts verloren haben … „Vermutlich“ schreibe ich darum. weil es auch immer wieder passiert, dass gerade jene Bücher sehr erfolgreich werden, deren Titel völlig „gegen den Strich“ gebürstet ist.

11. Gibt es diesen Titel etwa schon?!

Hier geht es ganz klar um den Titelschutz. Der ist im deutschen Urheberrecht klar geregelt: Wer zuerst kommt, hat Recht. Das bedeutet: Wenn es einen Buchtitel bereits gibt, ist er geschützt. Wessen Buch zuerst auf den Markt kommt, genießt den Schutz. Jedes folgende Buch mit dem gleichen Titel gilt als Plagiat – und dagegen kann geklagt werden. Was schmerzhaft teuer werden kann.

Kommen Bücher mit gleichen/ähnlichen Titeln in Verlagen heraus, können die beiden Verlage sich im Vorfeld absprechen und darauf einigen, sich das gegenseitig zu „erlauben“. Das geschieht oft, wenn die beiden Bücher in ganz anderen Genres erscheinen. Für Selfpublisher gilt: Machen Sie sich bitte selbst so umfassend wie möglich schlau! Auch da können natürlich im Vorfeld Absprachen untereinander getroffen werden – bitte unbedingt schriftlich!

Wollen Sie mehr über Buchtitel wissen?

Dann empfehle ich Ihnen: Vor allem für Selfpublisher: Was ist ein optimaler Buchtitel? Wie kriege ich den hin?

Und: Augen auf bei der Wahl des Buchtitels! Oder: der Titelschutz

 


Text und Bild: Maria Al-Mana, die Buchhebamme, die sich Mehr Eigensinn wünscht.

Und immer gern (angehende) Autor*innen und Selfpublisher begleitet.

Kontakt aufnehmen? Ich freue mich!


 

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