Es gibt Buchtitel und Verlage, deren Entdeckung regelrecht glücklich machen kann. So ging mir das mit dem Verlag Das kulturelle Gedächtnis. Ich entdeckte ihn über das wunderbare Buch „UNGEMEIN EIGENSINNIGE
AUSWAHL UNBEKANNTER WORTSCHÖNHEITEN AUS DEM GRIMMSCHEN WÖRTERBUCH“. Dennis Scheck nennt es ein „Lebensbegleitbuch“. Was sofort ins Auge springt, ist, wie liebevoll dieses Buch gemacht ist, mit Kopffarbschnitt, Lesebändchen und Prägung.

Verlag Das kulturelle Gedächtnis: „Widerborstigkeit und Buchkunst“

So etwas macht neugierig. Und siehe da. Alle Bücher aus dem Verlag Das kulturelle Gedächtnis tragen diese Gestaltungsmerkmale. Mehr noch: Dahinter steckt ein „ein Kuratorium von Gesellschaftern mit heiterer Gelassenheit, Widerborstigkeit und Liebe zur Buchkunst, um den jahrhundertealten Errungenschaften der Buchkultur ein schillerndes Mosaiksteinchen hinzuzufügen. Dabei wird ein für den Buchhandel ungewöhnlicher Weg eingeschlagen. Die Kuratoren, die seit Jahren im Verlagswesen und in der Literatur unterwegs sind, machen unabhängig, gemeinsam und im laufenden Austausch Programm.“

Bücherliebe: Blogger und Verlag

Mehr über diesen ungewöhnlichen – und ungewöhnlich guten – Verlag findet sich in einem Interview des Buchbloggers Marius Müller, der 2018 ein Interview mit Tobias Roth, einem der führte: Wir sind ein neuer, unabhängiger Verlag aus vier Kuratoren oder Gesellschaftern, wir machen gemeinsam Bücher, die wir nötig finden. Die Grundidee ist einfach, aber nicht ohne: alte Texte aus dem Gedächtnis schöpfen, die heute für uns brauchbar sind, die Themen berühren und behandeln, die uns heute auch umtreiben. Wir sind alle in der Buchbranche tätig, verschiedentlich, und im Verlag Das Kulturelle Gedächtnis auch insofern unabhängig, als wir uns keine Honorare zahlen, möglichst wenige Kosten verursachen und unsere Arbeit offen halten für spontane Teilhabe; Gewinne bleiben im Verlag, ein Programm (nie mehr als vier Titel) soll das nächste tragen. Da diese Idee natürlich in der Bücherliebe wurzelt, bemühen wir uns zudem um die Schönheit unserer Titel. Der Verlag ist in diesem Sinne eine Machenschaft der Begeisterung und Liebe, die professionell geführt wird, und von gebündelter Erfahrung zehren kann.“

Und Eigensinn

Auch der genannte Blog ist übrigens eine klare Empfehlung:Buch-Haltung beschäftigt sich mit „Literatur fernab der Bestenlisten“ – und steht darum auch in meiner großen Liste der Buchbloggerinnen und Buchblogger. Denn auch die Buchhebamme hält sich gern fernab der Bestenlisten – und setzt am liebsten auf Eigensinn. Sonst hätte ich den Verlag Das kulturelle Gedächtnis wohl auch noch gar nicht entdeckt …