Schon vor etwa zwei Jahren konnte man folgende Meldung lesen: „In den USA stürzen sich Teenager auf Chat-Fiction-Apps wie Hooked. Kurzgeschichten werden hier im Chat-Format erzählt.“ Es geht also um das Zwiegespräch in virtueller Form, Chat eben. Könnte das nächste „große Ding“ im schon ziemlich überstrapazierten Markt des Storytelling werden … Denn es bedient das bei vielen Menschen vorhandene voyoristischen Bedürfnis: Lass mal gucken, wie andere Menschen das reden, denken …

Neu ist dabei die Verbindung aus klassischer Kurzgeschichte und scheinbar „echtem“ Dialog, der allerdings meist nur so aussieht, aber von Autorinnen und Autoren erfunden wurde … Fiktion eben. Dazu kommt: Solche Chat-Stories müssen nicht nur aus Dialogen zusammengesetzt sein. Es werden auch Erzähltexte, Videos und Bilder verwendet. Dazu wird  gern mit Special Effects gespielt: Das Telefon – auf dem man dies alles gerade verfolgt –  vibriert beispielsweise plötzlich, Geräusche ertönen oder der Bildschirm wird schwarz.

Denn Chat-Stories funktionieren nur mit einer App. Und genau damit will Jasmin Wollesen, Inhaberin der Firma JW Technology, jetzt auch für den deutschen Markt Ernst machen. Lovery heißt ihr Angebot, das sie 2019 erstmals auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt hat. Aus der Werbung: „Lovery, die App für interaktives Storytelling. Geschrieben von Bestsellerautoren.“ Wollesen sagte dem Buchmarkt im Interview: „Wir ermöglichen einen fiktiven Blick über die Schulter in die Korrespondenz von fremden Personen. Paare, die ihre Lust verbal ausleben, politische Aktivisten, die sich über Kurznachrichten organisieren, Freunde, die tratschen, Menschen, die stalken … Dieses Format lässt eine Menge Kreativität zu und ist nicht an ein bestimmtes Genre gebunden. Bei uns findet man Fantasy, Erotik, Thriller oder humorvolle Stories um Liebe und andere zwischenmenschliche Katastrophen. Sie sind überall leicht und schnell zu konsumieren – ob in der Bahn, im Wartezimmer oder vor dem Schlafengehen.“

Es gibt aber noch drei Apps – die ursprünglich aus dem US-amerikanischen Markt kommen, zum Teil aber auch deutsche Stories enthalten. Da kommen teilweise noch andere Elemente wie „Fan-Fiction“ dazu: Fans erfinden Geschichten und Gespräche rund um bekannte Film- oder Romanfiguren, bauen sie zu ganz eigenen Geschichten aus. Allen Apps liegt ein Bezahl-Prinzip zugrunde. Das Lesen ist kostenlos, allerdings immer nur wenige Minuten – wen die Story gepackt hat, wird wohl Abonennt/in. Bei den meisten Apps ist übrigens auch das Selberschreiben möglich. Weitere Infos zu den ersten Apps hier.